17. Feb. 2026

Impulsvortrag mit Univ.-Prof.in Dr.in Sabine T. Köszegi

„Der überflüssige Mensch? KI und Wissensarbeit“

Ist der Mensch in Zeiten Künstlicher Intelligenz noch unverzichtbar – oder wird er zunehmend ersetzbar?
Mit dieser zugespitzten Frage eröffnete Univ.-Prof.in Dr.in Sabine T. Köszegi beim Jour Fixe eine ebenso differenzierte wie inspirierende Diskussion über die Zukunft der Wissensarbeit.

Zum Auftakt präsentierte sie ein selbst gemaltes Aquarell – eine eindrucksvolle Metapher für den Unterschied zwischen Arbeiten mit KI und persönlichem Wachstum. Beim Malen geht es nicht nur um das fertige Bild. Es geht um Ausdruck, Übung, Technik, Erfahrung – und um die Freude am eigenen Schaffen.

Eine KI kann ein ähnliches Bild erzeugen.
Doch Entwicklung, persönliches Wachstum, entsteht im Prozess – nicht im Prompt.


Sorgfältig beleuchtete sie die möglichen Folgen von Ki für Arbeitswelt und Gesellschaft. Studien – unter anderem von McKinsey & Company – gehen davon aus, dass bis 2030 nahezu jede dritte Arbeitsstunde automatisierbar sein könnte. Die Auswirkungen sind jedoch ungleich verteilt: Hochqualifizierte Arbeitskräfte steigern mit KI ihre Produktivität und erzielen tendenziell höhere Einkommen – benötigen jedoch weniger Assistenz. Erste Effekte zeigen sich bereits bei Berufseinsteiger:innen: In bestimmten Bereichen ist in den USA ein Rückgang von rund 30 % zu beobachten.

Gleichzeitig eröffnet KI Menschen mit geringerer Qualifikation neue Handlungsspielräume. Sie können komplexere Aufgaben übernehmen und höhere Produktivität erreichen. Das senkt Eintrittsbarrieren – geht jedoch häufig mit niedrigerer Entlohnung und steigendem Lohndruck einher. 

Eine aktuelle Studie der Stanford University („Future of Work with AI Agents“, 2025) untersucht, welche beruflichen Aufgaben Beschäftigte durch KI-Agenten automatisieren oder ergänzen möchten – und wie diese Wünsche mit den technologischen Möglichkeiten übereinstimmen. KI-Agenten werden kontinuierlich für Tätigkeiten optimiert, die menschlicher Arbeit stark ähneln, etwa Softwareentwicklung oder professionelles Schreiben.

Die Ergebnisse zeigen, wie die Integration von KI-Agenten die Kernkompetenzen des Menschen verändern und den Fokus von informationsorientierten auf zwischenmenschliche Fähigkeiten verlagern kann.

Bemerkenswert ist dabei eine weitere Erkenntnis: In 58 % der untersuchten Fälle waren Mensch-Maschine-Entscheidungen schlechter als Entscheidungen, die entweder nur von Menschen oder nur von Maschinen getroffen wurden.

Das wirft grundlegende Fragen auf:
Was bedeutet das für Organisationen? Für demokratische Entscheidungsprozesse? Für Verantwortung und Haftung? Die zentrale Herausforderung liegt nicht in der Automatisierung selbst – sondern in der Gestaltung tragfähiger Mensch-Maschine-Symbiosen.

Darüber hinaus verändert sich mit der zunehmenden Verlagerung von Wissen und Entscheidungen auf KI-Systeme die menschliche Handlungsfähigkeit grundlegend. Um KI-Systeme verantwortungsvoll zu überwachen, ihre Ergebnisse kritisch einzuordnen oder sie im Ausfall ersetzen zu können, sind weiterhin fundiertes Fachwissen, analytische Fähigkeiten und wissenschaftliche Expertise erforderlich.

Gleichzeitig weisen aktuelle Entwicklungen auf einen besorgniserregenden Bildungsrückgang hin. So weisen die Ergebnisse der PIAAC-Erhebung Ende 2024 auf einen Rückgang zentraler Grundkompetenzen hin: Bereits 29 % der Erwachsenen in Österreich – also fast jede dritte Person – haben deutliche Schwierigkeiten beim sinnerfassenden Lesen…


Herzlichen Dank, liebe Sabine T. Köszegi, für den ebenso fundierten wie facettenreichen Einblick in diese komplexe und hochaktuelle Thematik.